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3 Mädels in Amerika

Rückblick:

Im Sommer 2010 erlebte ich gemeinsam mit zwei guten Freundinnen eine sehr abwechslungsreiche, teils chaotische und auf jeden Fall unheimlich spaßige Reise im Westen der USA. Ich habe mein Reisetagebuch heraus gekramt und möchte euch einige Auszüge nicht vorenthalten…

10.7.2010: Uuuurlaub

Nach einer recht holprigen Abholung am Flughafen – es stellte sich heraus, dass Kerstin und Rike weder meine Flugnummer, noch die Fluggesellschaft kannten und mich deshalb nicht finden konnten – erreichte ich am 10.7. gegen 18 Uhr Long Beach. Die erste Nacht wollten wir bei meinen Verwandten Chris und George verbringen, die in Long Beach wohnen. Sie empfingen uns herzlich und so war der “Stress” schnell vergessen. Nachdem wir all unser Gepäck vom Auto bis ins Gästezimmer verfrachtet hatten, fuhren wir erstmal einkaufen um uns für die nächsten Tage zu versorgen. Im Supermarkt setzte bei mir sofort die totale Reizüberflutung ein – warum muss hier bloß alles so groß sein? Und wer braucht Pringles mit den Geschmacksrichtungen Pizza oder Steak?? Wenn ich Lust auf Pizza habe, esse ich Pizza und wenn ich ein Steak möchte, dann esse ich auch ein Steak. Die Amerikaner sehen das offensichtlich etwas anders. Da gibt es eben alles, was man sich vorstellen kann und noch viel mehr! Ganze Regale voller verschiedener Erdnüsse – gesalzen, geröstet, mit Honig, Senf, Chili oder Zucker, mit wenig Fett oder gar fettfrei – ein Paradies für Eichhörnchen! Als wir uns mit Nahrungsmitteln verschiedener Art eingedeckt hatten (auch die Pizza-Pringles waren dabei), ging es nach einem Sandwich und einem Glas kalifornischen Roséweins direkt ins Bett. Schlafen konnte ich nicht besonders gut, ein Zustand, der sich auch nicht so bald ändern sollte.

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11.7.2010 – Das Abenteuer beginnt
Am frühen Morgen starteten wir den Motor unseres schicken, schwarzen Ford Focus, der uns die nächsten 508 Meilen bis zum Grand Canyon Nationalpark bringen sollte. Wir freuten uns riesig auf das bevorstehende Abenteuer. GRAND CANYON, das klingt doch schon so gut, dass gar nichts schief gehen kann! Nach gut 8 Stunden Fahrt erreichten wir dann auch den Nationalpark, zahlten unsere 25 $ Entrence Fee und waren drin. Glücklicherweise hatte ich schon im Voraus einen Zeltplatz auf dem Mather Campground reserviert, der der war nun ausgebucht. Von meinen Verwandten hatten wir uns ein leichtes 2-Mann-Zelt geliehen, das wir auf dem uns zugewiesenen Platz aufbauten. Dann machten wir uns auf den Weg in den “Grand Canyon Store” um noch etwas zum Abendessen zu besorgen. Wir wollten gern ein Lagerfeuer machen und Würstchen braten. So kauften wir also lecker Bratwurst und Fleisch sowie einen Sack Grillkohle. Leider stellte sich bald heraus, dass mit der Kohle kein Feuer zu machen war. Nachdem Kerstin sich bereits eine gute Stunde abgemüht hatte, fuhren wir frustriert noch ein Mal zum Shop und kauften ein Holzding, das laut Packungsangabe innerhalb von nur 10 Minuten ein wunderbares Feuer entfacht. Ha, Pustekuchen, das Ding brannte gar nicht! Wir waren am Ende unseres Lateins. Auf der verzweifelten Suche nach Feuerholz am Campground fand Rike dann statt Holz zwei nette Belgier, die uns bereitwillig beim Feuermachen helfen wollten. Leider schafften es die Männer auch nicht. Nach einem gut 2-stündigen Kampf liehen sie uns schließlich ihren Campingkocher, in dem wir wenigstens die Würstchen braten konnten. Frustriert und erschöpft ließen wir uns daraufhin in unser Zelt fallen.DSC_0041

12.7.2010: Der Grand Canyon
Um 4 Uhr morgens riss uns das Weckerklingeln aus dem Schlaf. Wir wollten den Shuttle-Bus um 5 Uhr nehmen. Schnell Katzenwäsche, das Zelt abgebaut und los. Leider verfuhren wir uns, hatten keine Ahnung wo wir waren, das Navi war auch sprachlos und so verpassten wir den 5-Uhr-Bus locker um eine Viertelstunde. Wir nahmen uns also Zeit für ein gediegenes Frühstück auf dem Parkplatz mit Energydrinks, Papp-Toast mit Nutella und Powerriegeln. Um 6 Uhr brachte uns dann der Bus zum Anfang des South Kaibab Trails und plötzlich lag er vor uns – der Grand Canyon! Es ist schon sehr beeindruckend, dass man davon nichts sieht, bis man direkt an seiner Kante steht. Wie alles in den Vereinigten Staaten ist auch der Grand Canyon XXL. Von der Aussicht begeistert und von je einem halben Liter Monsterdrink vernebelt, machten wir uns also frohen Mutes auf den Weg in den Canyon, jeder von uns mit einem großen Rucksack und mindestens 5 Litern Wasser beladen. Die Landschaft ist gigantisch, wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Allerdings gab es keinen Schatten und es war sehr heiß. Wir tranken so viel Wasser wie wir konnten. A1DSC_0148Nach gut 5 Stunden erreichten wir völlig erschöpft und mit schmerzenden Füßen den Bright Angel Campground. Hier entschädigte ein kleiner Bach mit eiskaltem Wasser für die Strapazen der Wanderung. Wir genossen die Abkühlung und entspannten den Rest des Tages so gut es bei der Hitze eben ging. Auf die Frage hin, wie warm es sei, antwortete mir ein Mitarbeiter der Lodge „Hot as hell!“. Später erfuhren wir von einem Ranger, dass es tagsüber 110 Grad Fahrenheit (43 Grad Celsius) im Schatten und ca. 20 Grad mehr in der Sonne (knapp über 50 Grad Celsius!!!) gewesen waren. Hatte ich schon erwähnt, dass ich ein echter Wintermensch bin? Ich kam nicht drumherum, mir selbst die Frage zu stellen, wie um Himmels Willen ich Mitte Juli im Wüstenklima Arizonas landen konnte!

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Am Abend, als wir gerade schlafen gehen wollten, fing es dann an zu regnen und man konnte Blitze oben am Rand des Canyons sehen. Sehr beeindruckend und kurz dachte ich an eine mögliche Abkühlung. Sie kam aber nicht, sondern die Luft wurde unheimlich schwül und drückend und wir mussten wegen des Regens all unser Gepäck mit ins kleine Zelt nehmen. So lagen wir zu dritt mit 3 großen Rucksäcken im 2-Mann-Zelt und schwitzten. Schlafen ging nur deshalb 2 – 3 Stunden, weil wir einfach völlig erschöpft waren.

13.7.2010: Wir müssen ja auch wieder hoch!!!
Um 4 Uhr klingelte wieder der Wecker, denn wir wollten noch vor Sonnenaufgang den Aufstieg beginnen. Das wird dringend empfohlen, da es gegen Mittag zu heiß für körperliche Anstrengungen wird. Wir krochen also aus unserem Zelt und schnell war klar: Dieser Tag wird kein Vergnügen. Alle Muskeln und Knochen schmerzten bei jeder Bewegung und vor uns lagen 15,3 km Trail bergauf in sengender Hitze. Aber da es keine Wahl gab, hieß es Zähne zusammenbeißen, Rucksäcke aufschnallen und los!

 

Unpraktischerweise liefen wir erstmal in die falsche Richtung, da wir im Morgengrauen und im Halbschlaf den ersten Wegweiser nicht gesehen hatten und verloren so gleich zu Beginn eine Dreiviertelstunde. Die Erkenntnis war nicht unbedingt motivierend. Der gesamte Aufstieg dauerte dann auch statt der geplanten 5 volle 12 Stunden, die ich hier nicht näher beschreiben möchte. Nur so viel: Beim nächsten Mal unbedingt die Wegweiser beachten und außerdem weniger Gepäck aber mehr energiereiche Nahrung mitnehmen! Als völlig überflüssig stellten sich hingegen Schlafsäcke (viel zu warm) und Wechselklamotten (sowieso alles voller Staub und Schweiß) heraus. Nicht verzichten wollen hätten wir dagegen auf Blasenpflaster, Energydrinks und Kreislauftropfen, die wir zum Glück dabei hatten. Gefühlt mehr tot als lebendig, aber immerhin angekommen und mit einem letzten Rest von Stolz, konnten wir uns keine weitere Nacht im Zelt vorstellen, stiegen ins Auto und verließen den Nationalpark auf kürzestem Weg. Nach einer Stunde auf dem Highway erreichten wir den kleinen Ort Williams und checkten humpelnd und stöhnend im nächstbesten Motel ein. Hier gab es eine Klimaanlage, eine Dusche, sogar einen Pool und vor allem Betten! Wir schliefen tief und fest.

14.7.2010: Schmerzen, große Schmerzen
Total steif und mit einem Muskelkater, der sich mit Worten nicht beschreiben lässt (das ist nicht übertrieben!), machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Las Vegas, das wir am frühen Nachmittag erreichten. Wir hatten im Mirage Hotel reserviert, eine Adresse, die ich an dieser Stelle ausdrücklich empfehlen möchte! Die Hotelbetten waren fantastisch, der reinste Luxus für unsere geschundenen Körper. Zunächst machten wir ein bißchen „Sightseeing“. Wir fuhren mit der Magnetschwebebahn vom Mirage zum Treasure Island, ebenfalls ein riesiges und sehr bekanntes Hotel. Dann schauten wir uns den Secret Garden an, in dem noch einige weiße Tiger und Löwen aus dem Bestand von Siegfried und Roy leben. Während Rike und Kerstin noch einen kleinen Einkaufsbummel durch die Hotelshops machten, ging ich schon zurück in unser Zimmer und traute meinen Augen nicht, als ich sah, was da für mich bereit stand: Ein Strauß mit einer roten Rose, ein Teller mit Erdbeeren mit Schokoladenüberzug und eine Karte. Mein erster Gedanke: Ist ja cool, kriegt das hier jeder? Der 2. Gedanke: Müssen wir das extra bezahlen? Und dann endlich machte es Klick. Ganz aufgeregt zog ich die Karte aus dem Umschlag: „I love you!“. Eine Liebesbotschaft aus Deutschland ? So eine tolle Überraschung! Nachdem auch die Mädels völlig aus dem Häuschen waren und wir zu dritt die Schokoerdbeeren genossen hatten, war es and der Zeit, in den Abend zu starten. Nach einer ausgiebigen Dusche mit Massagewasserstrahl und den hoteleigenen Wellnessprodukten waren wir wieder so weit hergestellt, dass wir uns fröhlich in das Nachtleben von Las Vegas stürzten. Das ist schon ein verrückter Ort, witzig mal zu sehen, aber allgemein nicht mein Ding. Zu groß, zu laut, zu künstlich. Aber eben schonmal eine Erfahrung wert. Die Stimmung war jedenfalls bei uns dreien super, was zum Teil an den Happy Hour Cocktails gelegen haben mag. Kerstin ließ sich ihr Ohr piercen und dann aßen und tranken wir sehr lecker im Margharitaville, wo die Cocktails aus 70 % Alkohol, 10 % Saft und 20 % Eiswürfeln bestehen. Ein guter Start. Letzten Endes lagen wir gut betrunken und glücklich in unseren Hotelbetten und schliefen wunderbar.

Boot Barn

Boot Barn

15.7.2010 – Wetterkapriolen
Wir hatten uns einen Wecker gestellt, weil wir vor dem Auschecken noch in den Pool wollten, den wir bisher noch gar nicht gesehen hatten. Nach ein bißchen Planschen hieß es dann Sachen packen und klar machen zur Abreise. Ich war froh, Las Vegas zu verlassen, da ist es einfach viel zu heiß. Wir fuhren den ganzen Tag, wobei das Thermometer an einer Raststätte 121 Grad Fahrenheit anzeigte. Die Temperatur fiel aber später auf 74 Grad und plötzlich waren wir mitten in einem Gewitter unterwegs. Es regnete so heftig, dass der ganze Highway unter Wasser lag und ich echt ein bißchen Angst hatte, zu fahren. Aber wir waren nach ein paar Minuten durch die Gewitterfront gefahren und es klarte wieder auf. Am frühen Abend erreichten wir dann Long Beach bei klarem Himmel. Chris und George fuhren dann gleich mit uns zum Seal Beach, wo wir in einem kleinen niedlichen Strandrestaurant zu Abend aßen.

Strandrestaurant

16.7.2010 – Hollywood
Erstmal ließen wir uns am Seal Beach eine Stunde lang brutzeln. Wir fanden, ein Foto mit einem Rettungsschwimmer im Baywatch-Stil wäre nett. Also gingen wir zu einem der Häuschen und flirteten den zugegeben recht knackigen Typen in seiner roten Badehose an. Er war geschmeichelt und wir bekamen unsere Bilder. Zuhause bei Chris und George wurde dann nur schnell geduscht und ein Happen gegessen und dann machten wir uns mit unserem Mietwagen zu Dritt auf den Weg nach Hollywood, wo die Mädels zuvor schon ohne mich gewesen waren. Wir besuchten trotzdem nochmal den “Walk of Fame” und ein größeres Einkaufszentrum, insgesamt fand ich die Gegend ziemlich enttäuschend. Eher Touristenfalle als Glamour und Moviestars. Wir beschlossen, statt dort weiter herum zu laufen, lieber noch ein wenig durch die Hollywood Hills zu cruisen und einen schönen Platz zu suchen, wo man ein Foto mit dem Hollywood Schriftzug machen könnte. Ich fuhr dann auch unseren schicken Ford zielsicher durch die engen Kurven bergauf und das nicht unbedingt langsam, da wir es jetzt schon eilig hatten, denn die Sonne würde bald untergehen. Rike und Kerstin quietschen vor Freude – oder hatten Sie Angst? Mir machte die Fahrt jedenfalls großen Spaß! Wir fanden dann auch eine tolle Stelle, die Kerstin sich bei einer Bustour als Tipp hatte geben lassen. So bekamen wir schöne Fotos und alle waren zufrieden. Die Fahrt bergab war dann auch nicht mehr gar so aufregend, da wir ja nun Zeit hatten. Wir cruisten dann noch etwas durch die Gegend, Fenster runter, Musik an und ab durch Hollywood. Cool! Um 10:30 pm waren wir mit Scott, einem Neffen von Chris und George vor einem Club verabredet. Nach langer und anstrengender Parkplatzsuche und ca. 15-minütigem Fußmarsch erreichten wir auch tatsächlich den Club und trafen wenig später Scott und seine Freundin Andrea. Leider stellte sich schnell heraus, dass wir total underdressed waren und eigentlich keine Chance gehabt hätten, in den Club zu kommen – Rike und Kerstin in Blue Jeans und Turnschuhen, ich immerhin im kurzen Rock, aber dafür mit Flip Flops. Da Scott aber offensichtlich die richtigen hat, kamen wir doch rein und das auch noch umsonst! Leider war der Club dann echt scheiße! Naja, was solls, Scott und Andrea und auch ihre Freunde waren sehr nett und wir hatten noch einen lustigen Abend. Später beim Mietwagen angekommen, mussten wir dann feststellen, dass ein anderes Fahrzeug unmittelbar an unserer Stoßstange geparkt hatte. Rike schob den Wagen weg und zum Vorschein kam ein Kratzer. Na toll! Zum Glück gab es hiermit bei der Mietwagenrückgabe kein Problem, wir waren sowieso Vollkasko versichert. Insgesamt ein sehr komischer Abend!

17.7.2010 – Noch mehr Familie
Nachdem wir mehr oder weniger ausgeschlafen hatten, packten wir unseren ganzen Krempel zusammen und fuhren zunächst nach Pasadena in das Altenheim, in dem Chris 93-jähriger Vater Herbert wohnt. Wir aßen gemeinsam zu Mittag und Herb zeigte uns stolz sein großzügiges Apartment. Rike wäre am liebsten gleich eingezogen, so beeindruckt war sie von der kleinen Wohnung mit Küche, Wohn- und Schlafzimmer und sogar Gästezimmer! Herb freute sich über Grüße von meinen Großeltern und ich freute mich, ihn kennen zu lernen, hatte mir mein Opi doch schon einiges von ihm erzählt. Weiter ging die Fahrt dann zu Chris Bruder Norman und seiner Familie. Norman zeigte uns seinen Garten, der vor 2 Jahren von einem großen Waldbrand zum Großteil zerstört wurde. Es gab Eistee und Kuchen und dann ging die Fahrt weiter in Richtung Fresno. Dort hatten wir ein nettes Hotelzimmer. Wir waren alle müde und hatten keine Lust mehr, das Hotel zu verlassen, also bestellte George uns Pizza aufs Zimmer.

18.7.2010 – Yosemite Nationalpark
Nach einer weiteren mehrstündigen Fahrt erreichten wir gegen Mittag den Yosemite Nationalpark. Wir fuhren bis zum Glacier Point, von wo aus Rike, Kerstin und ich nach einem kleinen Picknick eine weitere Wanderung starteten. Vor uns lagen 13,4 Kilometer, das klang schon wieder machbar und es sollte sich schnell herausstellen, dass diese Wanderung jede Mühe wert sein würde. Nach ein paar Minuten auf dem Trail hörten wir aus dem Gebüsch neben uns merkwürdige Tierlaute. So eine Art dumpfes Stöhnen. Keiner von uns wusste, was das war. Ich tippte auf einen Truthahn und diese Annahme traf auf allgemeine Zustimmung. Nach weiteren 5 Minuten auf dem Trail kamen uns 2 Männer entgegen und sagten, auf dem Trail wäre ihnen eben ein Schwarzbär begegnet und wir sollten vorsichtig sein. Man könnte den Bär auch hören. Da machte es bei uns Klick: Der possierliche Truthahn, den wir im Gebüsch vermutet hatten, war ein ausgewachsener Schwarzbär! So klingen die also!! Interessant!!! Kaum waren die Männer hinter der nächsten Wegbiegung verschwunden, stand der pelzige Gefährte dann auch direkt vor uns auf dem Trail. Die folgenden Reaktionen passierten in wenigen Sekunden: Kamera raus holen, Foto machen, überlegen ob man weglaufen soll, dann aber doch stehenbleiben. Der Bär kam auf uns zu, ich räusperte mich laut, der Bär verschwand im Gebüsch. Ich rief noch so was wie: „Genau, verschwinde lieber, wir haben nämlich gar keine Angst vor dir, Bär!“ Dann gingen wir möglichst unauffällig, aber ungewöhnlich schnellen Schrittes weiter, vorbei an dem Gebüsch, in das der Bär gerade gelaufen war und weiter auf dem Trail. Wir waren hin und weg nach diesem Adrenalynstoß. Ich hatte meinen ersten wilden Bären gesehen und sogar ein halbwegs brauchbares Foto gemacht, wow, wahnsinn, der Tag war gerettet! Auch der weitere Trail war dann toll. Wir kamen an riesigen Wasserfällen vorbei, vor denen mehrere Regenbogen in den schönsten Farben leuchteten. Es war einfach wunderschön! Fast so bunt wie Vegas, aber gar nicht künstlich! Erschöpft aber glücklich kamen wir letztendlich in der Lodge an, wo Chris und George schon am Nachmittag eingecheckt hatten. Es gab erstmal schön Spaghetti zum Abendessen und dann fuhren wir mit dem kostenlosen Shuttlebus zu unserer Unterkunft – einem rustikalen Tent Cabin. Nach einer Nachtwanderung zu den Duschen konnten wir alle nicht besonders gut schlafen, da ein Baby im Nachbarzelt offensichtlich unmenschliche Qualen erlitt und die ganze Nacht schrecklich krakelte.

YosemiteRegenbogen

19.7.2010 – Grass Valley
Nachdem wir noch das Informationszentrum mit einem tollen Film über Yosemite angeschaut hatten, machten wir uns wieder auf den Weg. Nach 4 Stunden Fahrt erreichten wir das Ferienhaus von Chris und George in Grass Valley. Auf dem Weg machten wir allerdings noch einen Stopp bei Denny’s. Hier kann man den ganzen Tag Frühstück bestellen und so aßen wir Pfannkuchen, Joghurt, Eier und Speck. Das Ferienhaus erinnerte mich dann sehr an Finnland und ich fühlte mich gleich wohl. Ein niedliches Haus mitten im Wald, alles aus Holz, es roch sogar wie in einem typischen Mökki! Chris machte Popcorn und heiße Schokolade und wir schauten gemeinsam ein paar unserer Reisefotos an. Dann führte ich noch mein gewohntes Abendtelefonat mit Tobek während alle anderen schon schlafen gingen und schlich mich erst viel später leise ins Bett.

20.07.2010 – Feuerwehr!
Heute konnten wir zum ersten Mal auf dieser Reise ausschlafen, weil der erste Programmpunkt erst um 13:00 Uhr geplant war – der Besuch des Grass Valley Fire Departments. Kerstin und ich beschlossen daher kurzerhand, nach dem Frühstück eine Runde laufen zu gehen. Diese wurde dann aber recht schnell abgebrochen, da die Wege total zugewuchert waren mit hohen Gräsern, deren Grannen sich widerspenstig in Schuhen und Socken festhakten und uns gemein pieksten. Außerdem gibt es hier aggressive „Killerameisen“, die uns angriffen und bissen. Ich bekam ein paar dicke juckende Stellen von diesen Viechern. Dann fuhren wir nach Grass Valley. Nachdem ich gestern alle meine neuen Fotos versehentlich unwiderruflich von meiner Speicherkarte gelöscht hatte, bekam ich die Chance in einem Internet Café online zu gehen und ein Programm zu downloaden, mit dem ich die Bilder wie durch Zauberhand wieder herstellen konnte. Den Link hatte mein Kumpel Julian mir geschickt. An dieser Stelle vielen Dank dafür! Wir waren nun also in Grass Valley und besuchten zunächst das City Fire Department. Drei Männer zeigten uns die ganze Station inklusive Fahrzeuge, Ausrüstung, Küche, Schlafraum und, und, und. Danach fuhren wir noch weiter zum Forest Fire Department. Hier trafen wir Jeff, den Mechaniker der Station. Er war sofort voll dabei, als George erklärte, drei junge Frauen aus Deutschland würden sich gerne die Trucks und das Equipment anschauen. Stolz zeigte er uns seinen Bulldozer, in dem wir alle ein Mal Probesitzen und den Motor anlassen durften. Wir machten dann noch lustige Fotos mit ihm und ein paar Feuerwehrmännern und bekamen jede ein Feuerwehr-Abzeichen. Jeff rief dann gleich noch seinen Kumpel Rick beim Feuerwehr-Flughafen an, den wir als nächstes besuchen sollten. Wir fuhren also zum Flughafen und schauten uns die Flugzeuge an, mit denen Waldbrände bekämpft wurden. Wir durften sogar im Cockpit sitzen. Cool! Das war ein sehr lustiger Tag. Dann fuhren wir mit Chris und George zu deren Lieblingsrestaurant. Dort gab es erst Käse- und Fleisch-Fondue und zum Nachtisch noch Schokoladenfondue. Wir waren pappsatt!

21.7.2010 – San Francisco
„Oh, San Francisco, that is great!“ Das war die typische Reaktion eigentlich aller, denen ich erzählt hatte, wir würden nach San Francisco fahren. Und auch schon in Deutschland wurden die Erwartungen an diese Stadt sehr hoch gesteckt. Es schien so, dass jeder, der einmal die Golden Gate Bridge aus nächster Nähe gesehen hat und die kurvigen und hügeligen Straßen entlang gegangen oder gefahren ist, diese Stadt liebt. Ich selbst empfand San Francisco als sehr schöne Stadt voller Leben und positiver Stimmung, aber auch etwas stressig. Irgendwie war ich inzwischen satt und brauchte etwas Zeit für mich. Die Reise mit den Mädels war toll, aber ich freute mich auch auf meine weitere Reise allein. Aber diesen nächsten Reiseabschnitt beschreibe ich ein anderes Mal. In San Francisco erlebte ich mit meinen beiden lieben Freundinnen erstmal noch zwei chaotische, aber sehr lustige Tage. Eine grandiose Reise ging zu Ende.

San Francisco